
Als Vorsitzende der Umweltministerkonferenz 2012 heiße ich Sie herzlich willkommen auf der Homepage der Konferenz. Schleswig-Holstein ist 2012 das Vorsitzland der Umweltministerkonferenz (UMK) und damit Gastgeber der beiden Konferenzen im Frühjahr und Herbst.
Eine besondere Herausforderung für die Umweltpolitik ist aus der Reaktorkatastrophe in Fukushima im Frühjahr 2011 und der damit verbundenen Neubewertung der Restrisiken der Kernenergie entstanden. Deutschland wird aufgrund der Beschlüsse zur Energiewende vom Sommer 2011 bereits bis zum Jahr 2022 schrittweise aus der Nutzung der Kernenergie aussteigen, die Energieeffizienz verbessern und beschleunigt auf erneuerbare Energien umsteigen. Die damit gesteckten Ziele werden zur zügigen Umsetzung von Maßnahmen auf insbesondere folgenden Gebieten führen müssen: Ausbau der erneuerbaren Energien und deren Integration in das Energiesystem, Steigerung der Kosteneffizienz, Ausbau der Stromverteilernetze und Speichersysteme, Umbau des fossilen Kraftwerkparks, Verbesserung der Energieeffizienz von Gebäuden. Im unmittelbaren und aktuellen Zusammenhang damit stehen der Klimawandel, der Klimaschutz sowie die nachhaltige Entwicklung bei gleichzeitigem Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit unserer Industriegesellschaft. Mit diesen Themen wird sich die UMK vertieft befassen und Vorschläge entwickeln.
In 2012 jährt sich der sogenannte "Weltgipfel" von Rio de Janeiro zum 20. Mal. Die Weltgemeinschaft vereinbarte damals unter anderem das entwicklungs- und umweltpolitische Aktionsprogramm Agenda 21, das als Meilenstein auf dem Weg zur Nachhaltigkeit gilt. Die dritte Nachfolgekonferenz "Rio + 20" (neben "Rio + 5" 1997 in New York und "Rio + 10" 2002 in Johannesburg) findet im Juni 2012 erneut in der brasilianischen Metropole Rio de Janeiro statt. Unter dem Titel "Nachhaltige Entwicklung" werden die Staats-und Regierungschefs der Welt über die drängenden Probleme in den Bereichen Umwelt, Ressourcen und Klima diskutieren. Themenschwerpunkte werden die Entwicklung einer „grüneren“ Wirtschaft, der Kampf gegen die Armut sowie die Einbindung des Leitbildes „Nachhaltigkeit“ in die nationalen und internationalen politischen Systeme sein. Außerdem soll der Umsetzungsstand der Agenda 21 bilanziert werden. Die Ergebnisse von „Rio +20“ werden die Weiterentwicklung der europäischen und deutschen Umweltpolitik beflügeln.
In den letzten 50 Jahren wurden 60 % der weltweiten Ökosysteme durch menschliche Eingriffe geschädigt oder zerstört. Das Artensterben hat sich nach UN-Angaben um das 100- bis 1000-fache gegenüber dem natürlichen Wert beschleunigt. Ihr Ziel, den Verlust an Artenvielfalt bis 2010 zu stoppen, hat die EU nicht erreicht. Sie möchte deshalb bis 2020 die biologische Vielfalt dauerhaft sichern und entwickelt hierzu eine Strategie, zu der u. a. der Ausbau des Projekts „Natura 2000“ mit einem Anteil von 17 % der EU-Flächen zählt. Dies würde gleichzeitig helfen, Naturkatastrophen, Wasser- und Nahrungsmittelknappheit sowie dem Treibhauseffekt vorzubeugen. Parallel zu diesen Planungen der EU haben die Vereinten Nationen im Dezember 2010 das nächste Jahrzehnt zur UN-Dekade Biologische Vielfalt 2011 - 2020 ausgerufen. Die Dekade bietet die große Chance, mehr Menschen für die Erhaltung der biologischen Vielfalt zu sensibilisieren. Der Umsetzungs- und Dialogprozess der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt dient auch den Zielen der UN-Dekade Biologische Vielfalt. Angesichts der allgegenwärtigen Finanzkrise darf der Erhalt der biologischen Vielfalt nicht in den Hintergrund geraten. Das Thema Biodiversität hat daher für die die Arbeit der UMK nach wie vor einen hohen Stellenwert.
Mit Hochwassergefahren durch Sturmfluten hatte Schleswig-Holstein auf Grund seiner Lage zwischen Nord- und Ostsee schon immer zu kämpfen. Der durch den Klimawandel prognostizierte Anstieg der Meeresspiegel sowie die Zunahme von Stürmen in Häufigkeit und Stärke stellen das Land vor große Herausforderungen. Klimaschutz und Nachhaltigkeit sind daher für Schleswig-Holstein von existenzieller Bedeutung.
Schleswig-Holstein liegt an der Nordseeküste mit einer weltweit einzigartigen Naturlandschaft, dem Wattenmeer. Bereits 1985 ist der schleswig-holsteinische Teil des Wattenmeeres per Landesgesetz zum Nationalpark erklärt worden. 1986 und 1990 folgten Niedersachsen und Hamburg diesem Beispiel. Die vor über 25 Jahren begonnene Pionierarbeit wurde mit dem “Nobelpreis für die Natur” belohnt: das Wattenmeer vor der niederländischen und deutschen Nordseeküste wurde im Juni 2009 zum UNESCO-Weltnaturerbe erklärt.
Zur Frühjahrskonferenz vom 20.-22. Juni lade ich nach Schleswig, der 1200 Jahre alten Kulturstadt am Ostseefjord Schlei, herzlich ein.
Die Landeshauptstadt Kiel mit ihrem beeindruckenden maritimen Stadtbild wird Tagungsort für die Herbstkonferenz vom 14.-16. November sein.
Den Umweltministerkonferenzen im Land zwischen den Meeren wünsche ich einen erfolgreichen und angenehmen Verlauf.
Dr. Juliane Rumpf
Ministerin für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume
des Landes Schleswig-Holstein